Schädel–Hirn–Trauma
In der Wicker-Klinik Bad Wildungen werden Patienten nach einem „leichten“ Schädel-Hirn-Trauma behandelt. Definiert
ist das leichte Schädel–Hirn-Trauma als „mechanische traumatische Beeinträchtigung
des Kopfes von außen bzw. durch das Anschlagen des Kopfes an einen Gegenstand
oder durch ein Rotations-, Beschleunigungs- Verzögerungstrauma ohne direkte
Hirnschädelbeteiligung“ ("mild brain injury“.) Diese Form für ein
Schädel-Hirn–Trauma kann mit einer Hirnblutung, z.B. einer traumatischen
subarachnoidalen
Blutung, verbunden sein. Das
leichte Schädel–Hirn-Trauma ist eine der häufigsten neurologischen
Erkrankungen. Nur
Migräne und Infektionen mit Herpes zoster haben eine häufigere
Ersterkrankung („Inzidenz“). Nach den Statistiken sind bei den in eine
Akutklinik überwiesene Patienten mit einem Schädel–Hirn–Trauma die Gruppe
mit einem leichten SHT mit ca. 80% am weitaus häufigsten, die Patienten mit
einem mittleren SHT (Glasgow-Coma-Scale 9-12) und die schweren SHT-Patienten (
GSC < 8) mit jeweils 10% deutlich
seltener. Besonders
gefährdet für ein Schädel–Hirn-Trauma sind Personen zwischen 15 und 25
Jahren mit einer Inzidenz in Deutschland von 600/100.000. Ferner zeigt sich, dass
Männer und Personen mit niedrigem sozio-ökonomischen Status deutlich häufiger
ein leichtes Schädel–Hirn–Trauma erleiden. Ursachen
für ein Schädel-Hirn–Trauma sind in unserer mobilen und freizeitorientierten
Gesellschaft vielfältig, zu nennen sind hier Kfz, Motorrad, Fahrrad, Skifahrer,
Snowboard und viele weitere. Das
oben beschrieben Krankheitsbild für ein leichtes Schädel–Hirn–Trauma kann
ferner beschrieben werden als ein klinisches Bild, in dem die Betroffenen bis zu
30 min. bewusstseinsgestört bzw. bewusstlos sind und bei dem Unfall ein Wert
auf der “Glasgow Koma Scale“ von
13-15 ca. 30 min. nach dem Unfallereignis aufweisen. Bei dieser handelt es sich
um eine standardisierte und internationale Einteilung der Schwere bei einem Schädel–Hirn–Trauma. Die
so genannte posttraumatische Amnesie (PTA), also die fehlende Erinnerung nach
dem Unfall, sollte nicht mehr als 24 Stunden betragen. In
früheren neurologischen Lehrbüchern
ist nachzulesen, dass das leichte Schädel–Hirn–Trauma ohne Folgeschäden
abläuft. Diese Einschätzung wurde inzwischen jedoch korrigiert. Die
Betroffenen haben in vielen Fällen Probleme nach einem leichten Schädel–Hirn–Trauma,
besonders vegetativer und neuropsychologischer Art. Oft zeigen sich diese
Beeinträchtigungen noch zwei Jahre später im EEG (Messen der Hirnströme), während
die Computer- oder Kernspintomographie völlig normale Befunde aufweisen.
Die
klinischen Beschwerden nach einem leichten Schädel–Hirn–Trauma sind:
Ähnlich
dem Spannungskopfschmerz. Oft
am Hinterkopf von dumpf-drückenden Charakter. Auch oft verbunden mit
Beschwerden der Halswirbelsäule, die durch die Ausstrahlung der Kopfschmerzen
oder oft durch ein zusätzliches HWS-Schleudertrauma entstehen. Symptome hierfür
sind : Nackensteife, schmerzhafte Bewegungseinschränkung der HWS oder
Verspannungen der Muskulatur in dieser Region.
Übelkeit,
Kreislaufprobleme mit wechselndem Blutdruckwerten, Schwindel mit Störungen des
Gleichgewichts. Weitere
vegetative Symptome können Störungen des Kalt-Warm-Empfindens mit Tendenz zu
vermehrtem Schwitzen sein.
Die
Betroffenen leiden nach einem leichten Schädel–Hirn–Trauma unter
depressiven Verstimmungen, die vorher unbekannt waren und für den Patienten
keine Erklärung haben. Weiter Symptome sind erhöhte Reizbarkeit, Störung des
Schlafrhythmus, schnelle Erschöpfbarkeit.
Die Patienten sind zwar in den familiären und beruflichen Alltag wieder integriert, bemerken jedoch neben obigen Symptomen Probleme im Bereich Merkfähigkeit, schneller Auffassungsaufgabe und /oder Kurzzeitgedächtnis. Diese Symptome treten besonders bei Anspannung und Belastung auf. Nach
den Statistiken sind 90% der Betroffenen nach 1 Jahr ohne Beschwerden. Die übrigen
10% der Personen nach einem leichten Schädel–Hirn–Trauma weisen jedoch
Beschwerden auf. Diese o.a. Symptome werden in der Literatur auch als
„chronisches posttraumatisches Syndrom“ bezeichnet. Eine
höhere statistische Wahrscheinlichkeit ein solches zu erleiden, besteht bei
folgenden
Personen:
Diese Beschwerden der Patienten beeinträchtigen sie nicht nur in ihrem Alltagsleben, sondern reduzieren z.T. erheblich auch ihre berufliche Leistungsfähigkeit.
Schädel–Hirn–Trauma:
Vorteile einer stationären Rehabilitation Daher
ist es nicht nur für den Patienten mit einem leichten Schädel–Hirn–Trauma,
sondern auch für den jeweiligen Kostenträger notwendig, diese Probleme im
Rahmen einer stationären neurologischen Rehabilitation abzuklären. Das
stationäre Setting ermöglicht den Betroffenen im Gegensatz zu einer
ambulanten Maßnahme dabei eine Distanzierung von den psycho-sozialen
Belastungen am Heimatort und steigert besonders bei dieser Patientengruppe die
psycho-physische Stabilisierung neben der eigentlichen Verbesserung der
funktionellen Defizite. Die
Therapie der Patienten mit einem leichten Schädel–Hirn–Trauma in der Wicker
Klinik Bad Wildungen erfolgt nach ganzheitlichen Gesichtspunkten im
therapeutischen Team und mit besonderem Behandlungsschwerpunkt der o.a.
klinisch-neurologischer Defizite. Die Therapie der oben
beschriebenen Kopfschmerzen mit Teilausstrahlung und Mitbeteiligung der
Halswirbelsäule nach einem leichten Schädel–Hirn–Trauma setzt auf mehreren
Ebenen an. Die
Ärzte und die Psychologen der Wicker-Klinik spielen dabei eine wichtige Rolle
in der Beratung der Patienten, der Vermittlung von Stressbewältigungsstrategien,
Umgang mit den Schmerzen und Erlernen von Entspannungstechniken. Als besonders
wirksam haben sich dabei Autogenes Training, Biofeedback und progressive
Muskelrelaxation nach Jacobsen erwiesen. Die
Betroffenen mit einem leichten Schädel–Hirn–Trauma leiden auch unter Muskelverhärtungen oder –verkürzungen. Hier
setzt die Abteilung Physiotherapie an mit einem individuellen Therapieplan.
Weitere wichtige Bausteine der Physiotherapie bei diesen Patienten sind:
Craniosacrale Therapie, Kopfschwartenlockerung und das Erlernen der
Alexandertechnik. In
der Ergotherapie können gezielte Übungen für die Entspannung der oberen
Extremitäten und des Gesichts durchgeführt werden. Bei Bedarf werden hier
gezielte Hilfsmittel beraten oder auch Hilfestellung für z.B. richtiges bzw.
entspannteres Sitzen am Arbeitsplatz gegeben. Eine
wichtige Abteilung in der Therapie von posttraumatischem Kopfschmerz ist die
Abteilung Physikalische Therapie. Als sehr wirksam haben sich dabei Massagen der
Schulter-Nackenregion, ansteigende Armbäder, gezielte Wirbelsäulenmassagen, Fußreflexzonenmassagen
und Schmerztherapie mittels
Elektrotherapie wie TENS, Laser und Hochvolt erwiesen. Entspannungsbäder
und Unterwassermassagen ergänzen das Therapieangebot. Störungen
des Gedächtnisses, der Konzentration und der Merkfähigkeit sind ebenfalls häufige
Folgen nach einem leichten Schädel–Hirn-Trauma. Die psychologische Abteilung
der Wicker Klinik Bad Wildungen versucht mit gezielten Testverfahren hier die
Defizite zu ermitteln und entsprechend zu behandeln. Wahrnehmung,
Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Planen und Problemlösen werden
überprüft. Auch erfolgt in diesem Rahmen die Diagnostik visuell-räumlicher
Wahrnehmungsstörungen, räumlich-konstruktiver Störungen, Störungen der
Gesichts- und Objektwahrnehmung. Ebenso müssen hirnorganische Wesensänderung,
Distanzminderung, Impulsivität und psychische Belastbarkeit ermittelt werden. Eine Rückbildung spezifischer Störungen wird durch wiederholte strukturierte Übungsaufgaben angestrebt. Die Behandlung kann entweder mit Papier und Bleistift durchgeführt werden oder aber am Computer erfolgen. Dabei werden Komplexität, Menge, Geschwindigkeit etc. schrittweise erhöht. Grundlage der Kompensation ist der Einsatz nicht gestörter Strategien, Erfahrungen und Verhaltensweisen. Bei Gedächtnisstörungen kommt der Einsatz von so genannten Memotechniken in Frage. Die neuropsychologische
Therapie darf den Alltagsbezug nicht aus dem Auge verlieren, die gestörten
Funktionen sind entsprechend auch nach Möglichkeit in Alltagssituationen zu
trainieren. Dies erfolgt in enger Koordination mit der Ergotherapie. Die neuropsychologische
Abteilung führt verschiedene standardisierte Testverfahren durch, die auf die
individuellen Defizite der Patienten nach einem leichten Schädel–Hirn–Trauma
zugeschnitten ist. Die Ergebnisse dieser
Testdiagnostik werden im Therapieteam besprochen, vom Arzt mitbewertet und findet
auch in der Einschätzung der weiteren beruflichen Leistungsfähigkeit des
Betroffenen seine Berücksichtigung. Bei den psychischen Störungen
nach einem leichten Schädel–Hirn–Trauma ist zwischen dem auslösenden
Ereignis des Traumas und den Folgeschäden zu unterscheiden. Hier behandeln die
Psychologen die Betroffenen mit Einzeltherapie. Dabei erfolgt diese
psychotherapeutisch – stützend, bei Bedarf verhaltenstherapeutisch. Auch können
Paar- oder Familiengespräche durchgeführt werden. Nach der Akutbehandlung bei
einem leichten Schädel–Hirn–Trauma ist der körperliche Allgemeinzustand
der betroffenen oft deutlich reduziert. Ziel in der stationären
Rehabilitation ist die Wiederherstellung der vor dem Trauma bestandenen körperlichen
Leistungsfähigkeit.
Fragen
nach dem Pflegegesetz, dem Schwerbehindertengesetz, die
berufliche Wiedereingliederung oder innerbetriebliche Umsetzungen sind
Themen in der Sozialberatung. Bei Bedarf wird
der Kontakt zum Arbeitgeber oder Sozialdiensten am Heimatort hergestellt.
Neben
der genauen Dokumentation des Rehabilitationsergebnis und des
klinisch-neurologischen Zustands des Patienten ist im medizinischen
Abschlussbericht eine genaue sozialmedizinische Einschätzung zu erstellen.
Diese beschreibt nicht nur die sozialmedizinisch relevanten Funktionseinschränkungen,
sondern empfiehlt auch konkret die weiteren Schritte wie Zeitpunkt der beruflichen Wiedereingliederung oder
Stundenzahl der Belastbarkeit zum Zeitpunkt der Entlassung.
Die
Mitarbeiter der ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Abteilungen sind
über das Krankheitsbild bei einem leichten Schädel–Hirn–Trauma informiert.
Diese Kenntnisse werden durch Teilnahme an internen und externen Fortbildungen
erweitert. Die
Klinik hat 120 Betten der sog. Rehabilitationsphase D und 20 Betten der Rehaphase C. D
bedeutet gehfähige und selbstständige Patienten, während die Phase C sich auf
Personen bezieht, die in ihrer Selbstständigkeit deutlich eingeschränkt sind
und Hilfe bei den sogenannten „ADL“´s ( = activities of daily living ), wie
Waschen, An-Ausziehen, Essen etc benötigen. Für
diese Patienten stehen in der Rehabilitation der Wicker-Klinik
behindertengerechte Zimmer für Rollstuhlfahrer zur Verfügung. Nicht
aufgenommen werden Patienten in der Rehaphase B. Hier handelt es sich um bettlägrige
Patienten, die weiter sehr aufwendiger Pflege bedürfen und z.B. noch künstlich
ernährt werden müssen. Schädel–Hirn-Trauma - Patienten in solch einem
Stadium werden z.B. in Bad Wildungen sehr kompetent und fachgerecht in der
„Neurologischen
Klinik Westend“ behandelt, die ebenfalls zur Wicker-Unternehmensgruppe gehört. Die Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001 zertifiziert. Die Behandlung der Patienten erfolgt nach den Richtlinien und Vorgaben der jeweiligen Kostenträger. Jeder Chefarzt hat eine langjährige Erfahrung aus seinem Fachgebiet, je nach Schweregrad und Krankheitsverlauf werden individuelle Therapien bei den Patienten durchgeführt.
Mit den besten Wünschen für Ihre
Gesundheit!
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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